Unsere Martinskirche

Vom Sportheim aus, das unten am Neckar liegt, bietet uns Mittelstadt den schönsten Anblick, gewissermaßen seine Schauseite dar. Mühle, Gastwirtschaft, Kirche und Pfarrhaus spiegeln sich einträchtig im blanken Wasser des aufgestauten Neckars - ein Idyll, das geradezu zum Verweilen einlädt. Die Kirche, in hervorragender Lage auf einem Bergsporn ruhend, beherrscht das Bild, vor allem der Turm mit Turmhelm und Zeltdach, darunter die auf dunklem Grunde goldglänzenden Ziffern der Uhr, neben dem Turm die etwas unscheinbare Giebelseite des Kirchenschiffes. Bäume und Buschwerk, das den Hang hinaufzuwuchern scheint, umrahmen das Bild; die Hälfte des Turmes wird vom breit hingestreckten Pfarrhaus verdeckt.

In der Regel liegt die Kirche inmitten des Dorfes. Hier liegt sie am Rande, als gehöre sie nicht so recht dazu. Diese Lage unserer Kirche ist seltsam und regt die Neugierde an. Wir steigen den Gieß hinauf und gelangen über die Kirchstraße zur Kirche. Hier ist es zuerst die gewaltige Kirchhofsmauer, die unsere Bewunderung findet. über 3 m hoch steht sie vor uns, efeuüberwachsen und von den Ranken wilden Weins bedeckt. Gedanken an Befestigungsmauern erregt sie in uns. In der Westmauer deuten Handquader auf eine mögliche römische Herkunft hin; warum auch nicht, da doch die Römer in Mittelstadt ihre Steinhäuser stehen hatten, die im Mittelalter gerne als Steinbrüche von Kirchen und Klöstern benützt wurden.

Tor zum Kirchhof

Der Kirchhof wurde bis 1904 als Begräbnisstätte benützt. Alle 3o Jahre wurde er umgegraben. Aus der Pfarrbeschreibung von 1827 erfahren wir anlässlich einer solchen Arbeit folgendes: »Der Totengräber will schon auf einen unterirdischen Gang gestoßen sein, der aber noch nie untersucht wurde.« Dies mag der Anlass für die Sage sein, die von einem unterirdischen Gang erzählt, der von der Kirche zur jenseits des Neckars gelegenen Pliezburg geführt haben soll. Wenn überhaupt etwas Wahres an dem Bericht des Totengräbers ist, dann war dieser vermeintliche Gang wahrscheinlich das Kellergewölbe eines Hauses aus römischer Zeit.

Die Kirche selbst macht einen überraschend gut gepflegten Eindruck. Deshalb vielleicht fällt das Interesse erst später auf sie. Auffällig ist hier zuerst das aus Stein gehauene Bild des heiligen Martin an der Südseite der Kirche. Es weist uns darauf hin, dass auf diesem Platz vor fast 1300 Jahren eine der ersten Kirchen des Landes stand, eine Martinskirche.

Drehen wir in Gedanken noch einmal das Rad der Geschichte zurück bis zum Jahre 55o n. Chr.: Die Alamannen waren nach der Niederlage durch die Franken endlich sesshaft geworden, überall im Lande hatten sie Siedlungen gegründet, die heute noch aufingen enden. Nach der Schlacht gegen die Franken, in der der alamannische König fiel, wurde Alamannien ein Herzogtum. Wir wissen von einem Fürsten Leuthari; wahrscheinlich zwischen ihm und dem fränkischen Königshaus wurde eine vertragliche Abmachung getroffen, die im sogenannten Pactus Alamannorun2 niedergelegt ist. In dieser ältesten Aufzeichnung alamannischen Rechts wird einmal das Wort Kirche gebraucht, und zwar wird hier die Kirche in Alamannien zu einer gesetzlichen Einrichtung, der ein weltliches Recht übertragen wird, nämlich die Freilassung von sogenannten Halbfreien (Sklaven) in den Räumen des Gotteshauses. (Bisher war dies nur vor versammeltem Heer geschehen.) Das bedeutet nicht, dass es um 55o n. Chr. schon überall im Lande Kirchen gab.

Steinmerzarbeit aus Stubensandstein, 1965 beim Abbruch des Hauses Hauptstraße 39 entdeckt. Dieser Kopf eines bärtigen Mannes erinnert an ähnliche Arbeiten aus dem 8. Jahrhundert. Offensichtlich war er Bestandteil einer Konsole, die vielleicht aus der ersten Mittelstädter Kirche stammt? Im Haus Hauptstraße 39, das übrigens im Jahre 1595 erbaut wurde, hatte dieser Stein keine dekorative Funktion, er war vielmehr als Baustein in einer Innenwand verwendet worden. Das Relief gehörte wahrscheinlich zu einem Gebäude, das damals oder noch früher abgebrochen wurde, stammt also auf jeden Fall aus einer älteren Zeit. Es schmückt heute den Eingang der neuen Genossenschaftsbank, Hauptstraße 39.

Die Bekehrung der Alamannen zu Christen ist wohl in erster Linie fränkischen Missionaren und alamannischen Adeligen zu verdanken. Das nun straff geführte alamannische Herzogtum war zwecks leichterer Verwaltung in Gaue oder Huptaren aufgeteilt. So kennen wir in unserer Gegend den Pfunichgau mit Pfullingen als Mittelpunkt, den Neckargau und den Gau Swiggerstal, dem auch Mittelstadt angehörte, mit Metzingen als Hauptort.

Blick vom Haldenweg

Diese Adeligen als Vorsteher oder Häuptlinge eines solchen Gaues kamen durch ihr Amt häufig in Berührung mit den christlichen Franken. Dadurch lernten sie die Segnungen des Christentums kennen. Sie ließen sich von den Franken taufen und bauten hernach an ihren Wohnorten eine kleine Holzkirche, die sie in der Regel nach dem fränkischen Nationalheiligen Martin benannten, so in Pfullingen und in Metzingen. Die hochadelige Urkirche des Gaues Swiggerstal stand demnach also in Metzingen. Im Zuge der Missionierung der Gaubevölkerung baute der Metzinger Adel weitere Missionskirchen dorthin, wo er eigenen Grund und Boden besaß: An die Gaugrenzen; denn die Grenzgebiete, die sogenannten Marken, waren seit altersher im Besitz des Hochadels. Nun führte aber höchstwahrscheinlich die alte Gaugrenze zwischen Swiggerstal und Pfullichgau mitten durch Mittelstadt. So könnte man durchaus der Ansicht Jänichens Glauben schenken, die besagt, da1 die an den Gaugrenzen gelegenen Martinskirchen gar keine Missionskirchen waren, sondern gewissermaßen zum Zwecke der sichtbaren Grenzmarkierung gegenüber dem angrenzenden Gau errichtet wurden. Da in Pliezhausen neuerdings die dortige Kirche auch als Martinskirche angesehen werden muss, erscheint diese Theorie durchaus als einleuchtend.

Die wenigen Menschen, die bei der Gründung unserer Kirche in Mittelstadt lebten, rechtfertigten sicherlich nicht den Bau einer Missionskirche, zumal die Nachbarorte Neckartenzlingen, Neckartailfingen und Pliezhausen eine eigene Martinskirche besaßen und Riederich von jeher nach Bempflingen eingepfarrt war; Oferdingen lag in einem anderen Gau.

Ganz klären läßt sich die Frage der Gründung unserer Martinskirdie heute sicher noch nicht; auf jeden Fall müßte man sie mit im Hinblick auf ähnlich liegende Verhältnisse in Pliezhausen, Neckartenzlingen, Neckartailfingen und Kirchentellinsfurt zu beantworten versuchen. An allen diesen Orten stehen Martinskirehen und alle diese Orte liegen wie Mittelstadt am Neckar. Wir dürfen aber vielleicht annehmen, dass unsere Kirche im 8. Jahrhundert erbaut wurde.

An der Kirchhofmauer

Urkundlich erwähnt wird die Mittelstädter Pfarrei zum erstenmal 1275 und zwar in der Steuerliste des Klerus der Konstanzer Diözese als Besitz der Grafen von Berge. Die nächste Urkunde, aus der wir etwas über unsere Kirche erfahren, datiert aus dem Jahre 1413. Sie trägt folgende Aufschriften: »Mittelstat: lncorporatio Ekklesiae Mittelstat, 24. Marty 1413.« Die Urkunde bestätigt die Einverleibung der Pfarrkirche von Mittelstadt in das Kloster Pfullingen. Es war gewissermaßen der Schlußstein, den das Kloster Pfullingen hinter seine langen Bemühungen setzte, einen großen Teil Mittelstadts in seinen Besitz zu bringen. Die Urkunde, von der eine lateinische Abschrift im hiesigen Pfarrhaus liegt, hat folgenden Inhalt: Die Pfarrei mit der Pfarrkirche gehörte zwar den Herren von Berge, doch hatten die Pfullinger Klosterschwestern das Patronatsrecht schon vor 1413 innegehabt. Wahrscheinlich haben sie den Abt des Klosters Bebenhausen gebeten, ihnen zu helfen, auch die Mittelstädter Pfarrkirche ihrem Kloster zu inkorporieren.

Über die weitere Entwicklung der Mittelstädter Kirche erfahren wir einiges aus der schon erwähnten Pfarrbeschreibung von 1827: »Bis zur Reformation waren die Klosterfrauen Lehnsherr der Pfarrei zu Mittelstadt.« Das Schicksal des Klosters wurde somit auch das Schicksal unserer Kirche. Der Kampf um die Reformation des Klosters und unserer Kirche begann wahrscheinlich schon 1534, als das Haus Württemberg aus Geldgründen, nicht aus Überzeugung, die Reformation durchführte. 1534 kehrte Herzog Ulrich von Württemberg von Marburg zurück, wo er an dem berühmten Marburger Religionsgespräch teilgenommen hatte. Gleich anschließend begann er, die Reformation in seinem Lande durchzuführen. Er gewann dabei Geld und Güter, mit denen er seine hohen Schulden bezahlen konnte. So zogen im Jahre 1537 auf Befehl des Herzogs Visitationsräte durch unsere Gegend und vollzogen die angeordneten Visitationen. Endgültig abgeschlossen wurde die Reformation hier allerdings erst mit dem westfälischen Frieden 1648. Bis dahin gehörte unsere Kirche noch zum Kloster Pfullingen.

Die alte Martinskirche 1911 abgebrochen ( nach einem Gemälde von Stockinger)

Aus dieser Pfarrbeschreibung erfahren wir noch manche bemerkenswerte Einzelheiten der Pfarrei Mittelstadt. Zum Kirchendienst gehörten, wahrscheinlich seit der Reformation, Pfarrer, Mesner und Organist. Alle diese Stellen waren von jeher mit dem Schuldienst verknüpft, ebenso auch das Amt des »Vorsingers«. Gleich nach dem 3ojährigen Krieg wurde in vielen Pfarrorten ein Kirchenkonvent eingesetzt. Das war eine Art Polizei, die gegen die verwilderten Sitten einschreiten musste. In Mittelstadt wurde eine Person besonders damit beauftragt, die vom »Dorfschützen« unterstützt werden musste. Bestraft wurde zum Beispiel auch, wer am Sonntag der Kirche fern blieb oder während des Gottesdienstes schlief. 185o wurde dieses Amt wieder aufgehoben.

In den Gemeindedienst gehörten außerdem die »Heiligen- und Stiftungspfleger«. Sie hatten das dem »Heiligen« Gehörende, nämlich die Kirche, zu verwalten. Wir sagen heute dazu Kirchenpfleger.

Durch Stiftungen in die Armenkasse konnte man sich auf dem Friedhof Ehrengräber erwerben. Diese befanden sich an einem besonderen Platz des Kirchhofs. Wie sah nun die alte Mittelstädter Kirche aus, an die sich die alten Leute unseres Dorfes heute noch wohl erinnern können?

Es muss eine sehr alte, baufällige Kirche gewesen sein. Am schönsten war wohl die Lage. »Die Kirche zunächst dem Pfarrhaus, liegt auf dem Rücken des Abhangs, der die Wandung des Neckartals bildet, übrigens eben vom Dorfe her, mitten in dem ummauerten Kirchhof, ist ein altes in schlechtem Zustand befindliches Gebäude, ist sehr eng für die hiesige Gemeinde, die doch genugstens erhält, hat 2 Sakristeien, eine alte, feuchte und eine neue, nicht heizbare, auch eine alte, nicht gute Orgel aus dem Jahre 1751. Die Kirche ist akustisch ganz unrichtig gebaut, und das Predigen ist, zugleich wegen des nahen Standes der Zuhörer hei der Kanzel, sehr beschwerlich und angreifend, besonders bei voller Kirche.« Und weiter steht hier: »Wer die Kirche erbaute, wem das Eigentum derselben zusteht, darüber findet sich nicht die geringste Spur. Nun aber hat die Heiligen- und Stiftungskasse die Verbindlichkeiten zu bauen und zu reparieren. Eine Erweiterung der Kirche wird schon längst ah; notwendig erkannt, denn es liegen schon Baupläne von 1736, 1786 und 1804 vor; allein die Ausführung scheiterte immer wieder an der Mittellosigkeit.« Pfarrer Memminger hat ein Jahr vor seinem Tode, 1867, eine Stiftung von 200 Gulden für eine neue Kirche gemacht, doch dauerte es noch 44 Jahre, bis diese gebaut wurde.

Die Kirche steht an der Nordseite des Kirchhofes, scharf am Rande des Steilabfalls ins Neckartal, aber nicht genau an derselben Stelle der alten Kirche, sondern etwas mehr nach Norden verschoben. Parallel zur Südwand der Kirche sind am Boden noch Bausteine zu sehen, die die ehemaligen Grundmauern der alten Kirche anzeigen. Die Kirche, wie wir sie heute sehen, wurde 1912 von dem Architekten Prof. Martin Elsässer aus Stuttgart in einer Art Jugendstil errichtet. Ursprünglich wollte Elsässer eine Holzkirche mit Fachwerk bauen, ähnlich der Kirche in Reicheneck, die er 1907 dort gebaut hat. Dagegen wehrten sich die Mittelstädter, sie wollten eine Steinkirche. Bei einer Gemeindeversammlung wurde abgestimmt. Dabei sprachen sich glüddicherweise 178 Stimmen für die Steinkirche und nur 1 Stimme für die Holzkirche aus. Dieser Mann erhielt dann sofort den Spitznamen »Der Holznagel«. So musste also Prof. Elsässer den Mittelstädtern ihre Steinkirche bauen. Sie bildet ein Rechteck mit 28 m Länge und 13 m Breite. Die rechteckigen, breiten Fenster sind vertikal unterteilt, je 4 befinden sich an der Längsseite des Schiffes. Der Ostsdiluß der Kirche ist dreiseitig mit einem entsprechend abgewalmten Satteldach. Er enthält den Haupteingang. Zwei weitere Eingänge befinden sich an der Südseite der Kirche, der eine gleich neben der Südostecke, der andere unter der vorderen Ostseite des Turmes, unter einem überdachten Vorraum. Dies ist auch der Eingang zur Sakristei. Das Dach des Vorraums wird an der Südostecke von einer kleinen Säule gestützt. Sie wurde von der alten Kirche übernommen. Dort stützte sie eine steinerne Außenstiege, die auf die Empore führt. Sie ist eine schlanke Renaissancesäule aus Sandstein, etwa 1,82 m hoch. Sie hat einen Schaftring mit einem jonischen Kapitell. Am hochrechteckigen Sockel sind Masken und anderes Beschlagwerk zu sehen. Die Säule ist keine römische Arbeit, sondern stammt von einem Mittelstädter Maurer und Steinmetz namens Hans Hering aus dem Jahre 1615; die Maske an der Säule ist dieselbe wie eine Maske an der Südwestecke des Gasthauses zur Krone, von der man weiß, dass sie von Hans Hering stammt.

Das Innere unserer Martinskirche

Zur Erinnerung, dass die alte Kirche eine Martinskirche war, ist am südöstlichen Turmeck eine Bildhauerarbeit angebracht. Sie stellt den heiligen Martin dar, der auf seinem Pferd sitzt, gerade seinen Mantel zerschneidet und ihn mit dem Bettler teilt, der vor ihm auf den Knien liegt. Dieses Bild ist an allen Martinskirchen in irgendeiner Weise vorhanden. Unsere Kirche ist auch der Mutter Gottes geweiht und als Missionskirche Johannes dem Täufer. Daran erinnert die Figur des Täufers, die in den Giebel der Westfassade des Kirchenschiffes eingefügt ist. Viele alte Kirchen sind so wie unsere Martinskirche mehreren Kirchenheiligen geweiht.

Bevor wir nun die Kirche betreten, schauen wir uns noch den Haupteingang der Kirche im Osten an. Ohne die beiden einfachen, kunstlosen Holztüren zu beachten, wirkt dieser Eingang zwischen zwei Steinstrebepfeilern wie ein großes Tor mit 2 Eingängen, die von einem steinernen Rundbogen überspannt sind. In dem Halbrund dieses Bogens, auf der Mittelsäule, die die beiden Türen trennt, entdecken wir wieder eine Bildhauerarbeit: Einen großen Pelikan, der mit den beiden Flügeln seine jungen im Nest schirmt und sie mit seinem Herzblut speist. Dieses Sinnbild stammt aus der griechischen Sagenwelt und ist vom Christentum als Symbol der aufopfernden Liebe übernommen worden. Es ist in manchen alten Kirchen zu finden.

An der Mittelsäule, die die beiden Eingänge voneinander trennt, ist noch ein kleines Holzkästchen angebracht mit dem Bild der alten Martinskirche und einigen Daten, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch erwähnt werden.

Betreten wir nun die Kirche durch den Osteingang, so gelangt man erst in einen kleineren Windfang und weiter durch eine Flügeltür in den Kirchenraum. Der Eindruck ist ernüchternd. Unsere Kirche ist kein Kunstwerk. Das Licht fällt von den 4 hohen, rechteckigen, vertikal unterteilten, unschönen Fenstern an der Nordseite in das Kirchenschiff. Die 4 entsprechenden Fenster an der Südseite sind durch die Empore durchschnitten. Eine weitere Empore füllt die Rundung über dem Osteingang aus. Beide Emporen werden von Holzsäulen gestützt. Die Restflächen der Holzbrüstung bestehen aus einzelnen rechteckigen Holztafeln, von denen jede fünfte mit Blumensträußchen oder Tieren bemalt ist. Diese Bemalung war in den Plänen von 1912 nicht vorgesehen, sie wurde erst später angebracht. Man wollte damit dem ländlichen Geschmack entgegenkommen.

Links und rechts des Mittelganges stehen die schwarzen, steilen (und recht unbequemen) Holzbänke, wie sie in alten Kirchen häufig zu finden sind. Die Orgel ist in der Südwestecke der Südseitenempore eingebaut. Sie stammt aus dem Jahre 1912. Unter der Orgel steht das Chorgestühl der Freiherrn Thumb von Neuburg. An der Rücklehne des Chorgestühls kann man ein etwas verblichenes Wappen dieser Familie sehen. Einer ihrer Vorfahren hat der Kirche eine kostbare Hostienbüchse gestiftet, die auch heute noch im Gebrauch ist.

Über dem ganzen Kirchenschiff wölbt sich eine gebrochene Holztonnendecke, die von dicken Querbalken getragen wird. An den vorderen Balken hängen Holzkronleuchter, die wiederum wenig sinnvoll bemalt sind. Der ganze Raum ist nach Westen orientiert und mündet dort in eine tiefe Rundbogennische. In dieser Nische steht in der Mitte der Altar, links der Taufstein und rechts die Kanzel, die in den Raum hineinragt. über dem Rundbogen ist ein Bibelwort zu lesen: »Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallet« (Matthäus 26, 41). Die Szene in Gethsemane, wo Jesus dieses Wort zu seinen Jüngern sprach, ist auf der Abschlusswand der Chornische dargestellt. Sie wurde erst 1948 von einem Mittelstädter Maler, Alfred Braun, hinzugefügt. Auf dem einfachen steinernen Altar stehen als einziger Schmuck zwei dreiarmige, handgeschmiedete, gußeiserne Leuchter von einem hiesigen Schlossermeister namens Schairer. Sie wirken verhältnismäßig schön und passen in den Raum. Rechts und links der Chornische befinden sich noch zwei Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg.

Kruzefix aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts

Bemerkenswert ist das Kruzifix, das noch aus der alten Kirche erhalten ist: Das Kruzifix aus Holz stammt etwa aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Es hängt über dem Altar, außen am Rundbogen der Chornische, in einem schmiedeeisernen Rankengehänge aus dem Jahre 1912. Dieses Kruzifix ist vielleicht das schönste Stück in der Kirche. Auch die Lösung, das Kreuz in einem schmiedeeisernen Gehänge aufzuhängen, ist hier gelungen und passt gut in den Raum. Zwischen dem zweiten und dritten Fenster an der Nordwand der Kirche hängt ein drei Meter hohes Epitaph aus Holz. Die wahrscheinlich einstmals aufgefrischte Malerei ist von zwei gewundenen kleinen Barocksäulen eingerahmt. Dargestellt wird auf dem Bild die Himmelfahrt des Propheten Elia. Darunter ist eine Inschrift zu lesen: »Dieses Epitaphium stiften Gott zu Ehren ihren fünf Kindern so auf dem Kirchhof allhier begraben liegen. Zum Angedenken M. Elisäus Gerlach, Pfarrer zu Mittelstadt neben seiner Hausfrau Juliana Margaretha Gerlachin geborene Camerarinn von Reutlingen. Den 8. Marty 1688.« Es ist derselbe Pfarrer Gerlach, dem auch der eine der beiden Grabsteine gehörte, die an der Westmauer des Kirchhofes aufgestellt sind.

Evangelische Pfarrer zu Mittelstadt:

Um 1542: N. Magnus

1545 – 1570: Johannes Schlotterbeck

1570 – 1576: Jakob Armbruster

1576 – 1609: Paul Schickard

1610 – 1611: Johannes Oswald

1612 – 1618: Johannes Brodhag

1618 – 1635: Gottlieb Heinrici

1636 – 1656: Nikolaus Weckherlin

1656 – 1672: Joh. Melchior Daubenschmid

1672 – 1704: Elisäus Gerlach

1704 – 1734: Joh. Konrad Harter

17734 – 1779: Gottlieb Heinrich Harter 1

1779 – 1786: Gottlieb Heinrich Harter, Sohn und Nachfolger von 1

1786 – 1828: Joh. Honrad Knittel

1829 – 1850: Joh. Karl Heinrich Pregizer

1851 – 1869: Heinrich Albert Memminger

1859 – 1877: Karl Friedrich Günzler

1878 – 1891: Wilhelm Ruthard

1891 – 1892: Ernst Haag

1892 – 1909: Paul Christian Schreiber

1909 – 1910: Gotthilf Elwert

1910 – 1920: Konrad Hölderlin

1920 – 1926: Richard Essig

1927 – 1935: Ernst Kneile

1936 – 1941: Walter Elsässer

1941 – 1943: Vertretung durch Vater Elsässer

1943 – 1955: Dr. theol. Helmut Lamparter

1955 – 1965: Christian Munz

Seit 1965: Theodor Vöhringer

Die Leichenhalle auf dem Friedhof

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