Steinbrüche
Die Mittelstädter Sandsteinbrüche – Ein bedeutender Erwerbszweig vergangener Zeiten
Die Geschichte des Sandsteinabbaus in Mittelstadt reicht viele Jahrhunderte zurück und prägte über lange Zeit das wirtschaftliche Leben des Ortes. Bereits im Jahr 1352 findet sich in einer Urkunde der erste Hinweis auf einen Mittelstädter Steinbruch. Darin wird erwähnt, dass eine hiesige Steingrube vom Kloster Pfullingen gegen die jährliche Abgabe von einem Pfund Pfeffer verliehen wurde. Damit zählt der Sandsteinabbau zu den ältesten belegten Gewerben des Ortes.
Auch im frühen 16. Jahrhundert besaß der Mittelstädter Stubensandstein einen guten Ruf. Im Jahr 1510 lieferte ein „Meister Hans, Steinmetz von Mittelstadt“, Stubensandsteine für den Bau des Kranzes am Ulmer Münster. Dies zeigt, dass das gewonnene Material weit über die Region hinaus geschätzt wurde.
Ausbau der Steinbrüche im 19. Jahrhundert
Im Laufe des 19. Jahrhunderts gewann der Steinbruchbetrieb zunehmend an Bedeutung. 1834 erwarb die Gemeinde einen eigenen Steinbruch in der Kirrisgrube. Bereits wenige Jahre später entstanden weitere Abbaustellen. 1837 kaufte Professor Silber aus Stuttgart von der Witwe des Sternwirts Stähle sowie von Jakob Schmid Steinbrüche in den Gewannen Kapfäcker und Steinhäldle. Zusätzlich pachtete er im Hardt ein Allmandstück zur Nutzung als Steinbruch.
Der Bau der Eisenbahnlinie Reutlingen–Plochingen führte im selben Jahr zu einer verstärkten Nachfrage nach Baumaterial. Mehrere Bauunternehmer erkundigten sich deshalb bei der Gemeinde nach geeigneten Flächen für neue Steinbrüche auf der Hardtwiese. Gleichzeitig wurden in der Kirrisgrube und im Gewann Grafen den Steinhauern Georg Küfner und Christian Schneider Allmandflächen zum Steinbrechen überlassen.
Steinabbau und wirtschaftliche Bedeutung
Nach der Jahrhundertwende waren vor allem noch die Steinbrüche im Riethrain und in der Kirrisgrube in Betrieb. Zu den damaligen Besitzern gehörten Gustav Stückle, Jakob Schneider, Georg Schairer sowie die Mühlsteinfabrik J. G. Dettinger aus Plochingen. Die wirtschaftliche Bedeutung des Steinabbaus zeigt sich unter anderem daran, dass die Firma Dettinger im Jahr 1919 für einen Quadratmeter Steinbruchfläche im Riethrain eine Pacht von fünf Goldmark bezahlte.
1925 betrieb die Gemeinde erneut einen eigenen Steinbruch im Riethrain. Einige Jahre später erscheint mit einem Angehörigen der Familie Stückle wieder ein Pächter eines Steinbruches im Gewann Grafen. Für das Jahr 1935 sind die Pächter Endres, Fickeisen und Hörz überliefert.
Der Zweite Weltkrieg brachte die Arbeiten in den Steinbrüchen weitgehend zum Erliegen. Zwar stellte 1945 ein Bürger aus Sondelfingen nochmals einen Antrag auf Wiederaufnahme des Abbaus in der Kirrisgrube, doch die große Zeit der Mittelstädter Steinbrüche war vorbei. Heute liegen sämtliche ehemaligen Abbaustellen still und verlassen. Der einst begehrte Stubensandstein aus Mittelstadt wird längst nicht mehr genutzt.
Verwendung des Mittelstädter Stubensandsteins
Der gewonnene Stubensandstein fand vielfältige Verwendung. Neben seiner Nutzung als Baumaterial stellte die Firma Dettinger daraus unter anderem Gerbsteine sowie Walzen für Obstmühlen her. Über viele Generationen hinweg boten die Steinbrüche zahlreichen Menschen aus Mittelstadt Arbeit und Einkommen.
Mit dem technischen Fortschritt und veränderten industriellen Anforderungen verloren die traditionellen Sandsteinbrüche jedoch zunehmend ihre wirtschaftliche Bedeutung. Wie viele alte Handwerks- und Erwerbszweige wurden auch sie schließlich von der modernen technischen Entwicklung verdrängt.
Ein gescheiterter Versuch der Kohlesuche
Eine bemerkenswerte Kuriosität aus der Ortsgeschichte berichtet von einem Versuch der Mittelstädter Bevölkerung, um das Jahr 1730 auf der eigenen Gemarkung nach Steinkohle zu graben. Aufgrund der geologischen Verhältnisse musste dieses Vorhaben jedoch scheitern. Bis heute ist nicht bekannt, welche Hinweise oder Bodenfunde zu diesem Versuch geführt hatten oder an welcher Stelle die ersten Schürfarbeiten vorgenommen wurden.








