Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr
Kaum eine Institution hat die Geschichte Mittelstadts über so viele Generationen hinweg so nachhaltig geprägt wie die Freiwillige Feuerwehr. Seit nahezu 150 Jahren stehen ihre Angehörigen im Dienst der Allgemeinheit und leisten Hilfe, wenn Menschen in Not geraten. Doch die Geschichte des Brandschutzes im Ort beginnt wesentlich früher. Bereits lange bevor eine Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, war der Schutz vor Feuer eine Gemeinschaftsaufgabe, von der das Überleben des gesamten Dorfes abhängen konnte.
Wer heute durch Mittelstadt geht, begegnet einem Ort, dessen Ortsbild über Jahrhunderte immer wieder von Bränden, Kriegen und technischen Veränderungen geprägt wurde. Enge Hofanlagen, dicht nebeneinander stehende Scheunen sowie Wohnhäuser aus Holz und Fachwerk machten Feuer über viele Jahrhunderte hinweg zu einer der größten Bedrohungen des täglichen Lebens. Ein einziger Funken konnte innerhalb kürzester Zeit ganze Straßenzüge vernichten und zahlreiche Familien ihrer gesamten Lebensgrundlage berauben.
Vor diesem Hintergrund entwickelte sich das Feuerlöschwesen in Mittelstadt langsam, aber stetig weiter. Aus einer gemeinschaftlichen Nachbarschaftshilfe entstand schließlich eine gut organisierte Feuerwehr, die heute als Abteilung der Feuerwehr Reutlingen weit über die Grenzen des eigenen Stadtbezirks hinaus tätig ist. Die Geschichte der Feuerwehr erzählt deshalb nicht nur von technischen Entwicklungen, sondern vor allem von Menschen, die über Generationen hinweg Verantwortung für ihre Mitbürger übernommen haben.
Feuer als ständige Bedrohung
In früheren Jahrhunderten gehörten Brände zu den größten Gefahren des Dorflebens. Offene Feuerstellen dienten zum Kochen und Heizen, Stallungen lagen unmittelbar neben den Wohnhäusern, Scheunen waren bis unter das Dach mit Heu und Stroh gefüllt und nahezu jedes Gebäude bestand überwiegend aus Holz. Löschwasserleitungen existierten ebenso wenig wie organisierte Rettungsdienste.
Kam es zu einem Brand, war schnelles gemeinsames Handeln die einzige Möglichkeit, eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Deshalb entwickelte sich bereits früh ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl innerhalb der Dorfgemeinschaft. Der Brandschutz war keine Aufgabe einzelner Personen, sondern verpflichtete alle Einwohner gleichermaßen.
Die älteste bekannte Nachricht über das Feuerlöschwesen in Mittelstadt stammt aus dem Jahr 1728. Damals verfügten die Gemeinden Mittelstadt, Riederich und Bempflingen gemeinsam über eine einzige Feuerspritze. Diese war in Riederich stationiert und musste im Ernstfall zunächst zur Brandstelle gebracht werden. Bereits diese gemeinsame Anschaffung zeigt, welch hohen Stellenwert der Brandschutz damals besaß. Eine Feuerspritze war außerordentlich teuer und konnte von kleineren Gemeinden allein kaum finanziert werden.
Feuerreiter, Löscheimer und Menschenketten
Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein funktionierte die Brandbekämpfung nach einem einfachen, aber gut eingespielten System.
Sobald ein Feuer entdeckt wurde, ritten sogenannte Feuerreiter in die umliegenden Orte, um Hilfe anzufordern. Gleichzeitig spannte man vier Pferde vor die schwere Handspritze, die anschließend mit möglichst hoher Geschwindigkeit zur Einsatzstelle gebracht wurde.
Bis zum Eintreffen der Spritze verging jedoch oftmals wertvolle Zeit. Deshalb musste die Bevölkerung selbst sofort mit den Löscharbeiten beginnen.
Jeder Bürger war verpflichtet, einen eigenen Löscheimer bereitzuhalten. Diese Verpflichtung war keine freiwillige Empfehlung, sondern Bestandteil der bürgerlichen Pflichten. Noch im Jahr 1811 wurde ausdrücklich festgelegt, dass auch Maurer und Zimmerleute – wie alle anderen Bürger – einen Feuereimer anzuschaffen hatten.
Von Brunnen, Bächen oder anderen Wasserstellen bildeten die Einwohner lange Eimerketten bis zum Brandherd. Gefüllte Ledereimer wurden von Hand zu Hand weitergereicht, während die leeren Gefäße auf demselben Weg zurückliefen. Diese einfache, aber wirkungsvolle Methode blieb über Generationen hinweg das wichtigste Mittel der Brandbekämpfung.
Heute erscheint dieses Vorgehen beinahe archaisch. Damals war es jedoch Ausdruck einer funktionierenden Dorfgemeinschaft. Jeder wusste, welche Aufgabe er im Ernstfall übernehmen musste. Wer sich dem gemeinsamen Einsatz entzog, gefährdete nicht nur das Eigentum seines Nachbarn, sondern letztlich den gesamten Ort.
Erste organisatorische Strukturen
Mit dem Wachstum der Bevölkerung genügte die spontane Hilfe der Nachbarschaft immer weniger. Brände mussten besser organisiert bekämpft werden.
Bereits 1847 bestand in Mittelstadt eine organisierte Rettungsmannschaft. Ihre Angehörigen erhielten von der Gemeinde weiße Armbinden sowie besondere Mützen, damit sie bei Einsätzen sofort als verantwortliche Helfer erkannt werden konnten. Damit entstand erstmals eine klar erkennbare Gliederung innerhalb der Löschmannschaften.
Diese Entwicklung entsprach einem allgemeinen Wandel, der sich in vielen württembergischen Gemeinden beobachten ließ. Immer häufiger entstanden feste Löschordnungen, in denen Aufgaben, Zuständigkeiten und Alarmierungswege genau geregelt wurden. Der Brandschutz entwickelte sich langsam von einer allgemeinen Bürgerpflicht zu einer spezialisierten Aufgabe.
Der Zehnthofbrand verändert das Dorf
Einen tiefen Einschnitt stellte der verheerende Großbrand vom 4. September 1865 dar.
Im Bereich des Zehnthofs brach ein Feuer aus, das sich innerhalb kürzester Zeit auf sieben weitere Gebäude ausbreitete. Die enge Bebauung begünstigte die rasche Ausbreitung der Flammen erheblich.
Besonders dramatisch war die schlechte Wasserversorgung. Zeitzeugen berichten, dass die Einwohner schließlich sogar Gülle einsetzten, um die Flammen einzudämmen. Diese ungewöhnliche Maßnahme verdeutlicht eindrucksvoll, unter welch schwierigen Bedingungen damals gelöscht werden musste.
Der Brand führte den Verantwortlichen schonungslos vor Augen, dass der bisherige Brandschutz den Anforderungen eines wachsenden Dorfes nicht mehr genügte.
Der Gemeinderat reagierte unmittelbar. Die gesamte Einwohnerschaft wurde namentlich in sogenannte Rotten eingeteilt. Jeder Einwohner erhielt damit einen genau festgelegten Aufgabenbereich für zukünftige Brandfälle. Aus der bislang eher spontanen Hilfe entstand ein deutlich besser organisiertes Einsatzsystem.
Zu diesem Zeitpunkt verfügte Mittelstadt bereits über eine eigene Feuerspritze. Deren Einsatzbereitschaft wurde zweimal jährlich nach den Bürgerversammlungen überprüft. Schultheiß und Gemeinderäte überwachten persönlich die Spritzproben und kontrollierten den technischen Zustand des Gerätes. Auch dies zeigt, welchen Stellenwert der Brandschutz inzwischen im öffentlichen Leben des Dorfes eingenommen hatte.
Feuerwehrdienst als Bürgerpflicht
Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Feuerwehrdienst keine freiwillige Aufgabe.
Jeder männliche Bürger war verpflichtet, im Brandfall mitzuwirken. Dieses System der Pflichtfeuerwehr funktionierte zwar grundsätzlich, stieß jedoch zunehmend an seine Grenzen.
Viele Männer verrichteten ihren Dienst nur widerwillig. Regelmäßige Übungen fanden kaum statt, technische Neuerungen wurden nur zögerlich übernommen und die Motivation unterschied sich erheblich.
Diese Erfahrungen machten nicht nur die Verantwortlichen in Mittelstadt. Überall in Württemberg setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass gut ausgebildete freiwillige Feuerwehren wesentlich leistungsfähiger arbeiteten als verpflichtete Löschmannschaften.
Bereits 1847 war in Reutlingen eine Freiwillige Feuerwehr gegründet worden und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem Vorbild für zahlreiche Gemeinden der Region. Auch in den umliegenden Orten entstanden nach und nach freiwillige Wehren, deren Mitglieder regelmäßig übten und sich intensiv mit moderner Brandbekämpfung beschäftigten.
Diese Entwicklung blieb auch in Mittelstadt nicht unbeachtet.
Der Weg zur Freiwilligen Feuerwehr
Nach späteren Aufzeichnungen war es insbesondere Altschultheiß Röhm, der sich früh für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr einsetzte. Die positiven Erfahrungen anderer Gemeinden überzeugten ihn davon, dass freiwilliges Engagement erfolgreicher sein würde als eine ausschließlich verpflichtende Organisation.
Im Jahr 1877 fanden sich schließlich rund vierzig Männer bereit, sich freiwillig in den Dienst ihrer Mitbürger zu stellen. Neben der bestehenden Pflichtwehr entstand zunächst ein freiwilliger Löschzug, der sich intensiv mit Ausbildung, Organisation und vorbeugendem Brandschutz beschäftigte.
Das Heimatbuch von 1965 nennt als Gründungsjahr 1878, weil in diesem Jahr das damalige Bürgerliche Kollegium die notwendigen finanziellen Mittel bewilligte und damit die junge Wehr offiziell unterstützte. Die späteren Feuerwehrchroniken sowie die Jubiläumsfestschriften zum 100- und 125-jährigen Bestehen führen dagegen das Jahr 1877 als eigentliche Gründung an. Beide Angaben widersprechen sich deshalb nicht, sondern beschreiben unterschiedliche Etappen derselben Entwicklung: 1877 entstand die freiwillige Mannschaft, 1878 erhielt sie ihre offizielle organisatorische und finanzielle Grundlage.
Mit der Bereitstellung der Mittel beschaffte die Gemeinde zugleich eine moderne Saugfeuerspritze. Damit begann eine neue Epoche des Brandschutzes in Mittelstadt.
Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr markierte weit mehr als nur eine organisatorische Veränderung. Sie war Ausdruck eines neuen bürgerschaftlichen Selbstverständnisses. Die Männer stellten sich freiwillig in den Dienst der Allgemeinheit, übten regelmäßig, entwickelten ihre Ausrüstung weiter und pflegten eine Kameradschaft, die bis heute das Fundament der Feuerwehr bildet.
Der Leitspruch „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“ brachte diesen Gedanken treffend zum Ausdruck. Er beschreibt bis heute das Selbstverständnis unzähliger Feuerwehrangehöriger: Hilfe zu leisten, ohne nach Herkunft, Ansehen oder persönlichem Vorteil zu fragen. Dieses Ideal prägt die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Mittelstadt seit ihrer Gründung und verbindet alle Generationen von Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern bis in die Gegenwart.
Mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr begann für Mittelstadt eine neue Epoche des Brandschutzes. Während zuvor nahezu ausschließlich die Pflichtfeuerwehr und die gesamte Einwohnerschaft für die Brandbekämpfung verantwortlich gewesen waren, entstand nun eine Mannschaft, deren Mitglieder sich freiwillig und dauerhaft auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereiteten. Damit setzte sich auch in Mittelstadt eine Entwicklung durch, die sich in Württemberg seit der Mitte des 19. Jahrhunderts immer stärker verbreitete. Freiwillige Feuerwehren galten als besser ausgebildet, zuverlässiger organisiert und im Ernstfall deutlich schlagkräftiger als die bisherigen Pflichtwehren.
Zunächst bestand die neue Freiwillige Feuerwehr lediglich aus einem Zug von etwa vierzig Männern. Sie arbeitete weiterhin neben der bestehenden Pflichtfeuerwehr, übernahm jedoch zunehmend deren Aufgaben. Die freiwilligen Feuerwehrmänner beschäftigten sich nicht nur mit der Brandbekämpfung, sondern auch mit vorbeugenden Maßnahmen und der Verbesserung der vorhandenen Ausrüstung. Bereits wenige Jahre nach der Gründung zeigte sich, dass die Entscheidung des Gemeinderats richtig gewesen war. Die Gemeinde stellte zusätzliche finanzielle Mittel bereit und beschaffte eine moderne Saugfeuerspritze, die gegenüber den bisherigen Geräten einen erheblichen technischen Fortschritt darstellte.
Im Jahr 1879 übernahm Georg Wurst als erster Kommandant die Führung der gesamten Wehr. Ihm zur Seite stand Gottlob Weiblen als Stellvertreter. Gleichzeitig entstanden erstmals verbindliche Statuten, welche die Organisation, die Pflichten der Mitglieder und den Ablauf des Feuerwehrdienstes regelten. Außerdem wurde eine eigene Feuerwehrkasse eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt gehörten bereits 26 Männer der freiwilligen Abteilung an.
Die Gründung einer Kasse war weit mehr als eine organisatorische Formalität. Sie zeigte, dass sich die Feuerwehr zunehmend als eigenständige Gemeinschaft verstand. Uniformen, Ausrüstung und kleinere Anschaffungen mussten finanziert werden. Jeder Feuerwehrmann entrichtete deshalb eine Aufnahmegebühr von einer Mark sowie einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von zehn Pfennig. Diese Eigenbeteiligung unterstrich den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen.
Schwierigkeiten und ein Neuanfang
Wie viele junge Organisationen blieb auch die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt nicht von Rückschlägen verschont. Bereits 1892 kam es innerhalb der Wehr zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten. Ein Großteil der damaligen Mitglieder trat aus der Feuerwehr aus. Die Chronik berichtet ungewöhnlich offen über diese Ereignisse.
Mit Bernhard Oswald als neuem Kommandanten und Gottlieb Lutz als Stellvertreter begann ein personeller Neuanfang. Gleichzeitig wurden zahlreiche neue Feuerwehrmänner aufgenommen. Besonders bemerkenswert ist eine Notiz des Chronisten über die damalige Kassenübergabe. Als die neue Führung die Vereinskasse übernehmen wollte, stellte sie fest, dass diese vollständig geleert worden war. Jakob Haug hielt später den überlieferten Satz fest:
„Wir mussten eine neue Kasse gründen, denn andere hatten alles Geld versoffen.“
Diese ungewöhnlich deutliche Formulierung zeigt, dass auch eine traditionsreiche Feuerwehr nicht frei von menschlichen Schwächen war. Die Konsequenz fiel entsprechend aus. Um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern, beschloss man, die Feuerwehrkasse regelmäßig vom Oberamt überprüfen zu lassen. Tatsächlich berichten die Chroniken, dass es danach über viele Jahrzehnte hinweg keine Beanstandungen mehr gab. Die Kassenführer galten fortan als ausgesprochen gewissenhaft und bemühten sich, sparsam zu wirtschaften.
Die Wasserleitung verändert den Brandschutz
Den größten Entwicklungsschritt ihrer frühen Geschichte erlebte die Feuerwehr im Jahr 1910.
Mit der Fertigstellung der Wasserleitung erhielt Mittelstadt erstmals ein leistungsfähiges Leitungsnetz für die Löschwasserversorgung. Bis dahin mussten Wasserträger das Löschwasser aus Brunnen, Bächen oder Löschteichen heranschaffen. Selbst die beste Handspritze konnte ihre Wirkung nur entfalten, wenn ausreichend Wasser vorhanden war.
Die neue Infrastruktur revolutionierte deshalb die Brandbekämpfung.
Unter dem Eindruck dieser technischen Neuerung wurde die Feuerwehr vollständig neu organisiert. Die bisher noch bestehende Pflichtfeuerwehr wurde aufgelöst. An ihre Stelle trat nun ausschließlich die Freiwillige Feuerwehr.
Zum neuen Kommandanten wählten die Feuerwehrmänner Wilhelm Veit. Sein Stellvertreter wurde Ludwig Knecht. Unterstützt wurden sie von mehreren Zugführern, unter ihnen Karl Jetter, Gottlob Wandel, Jakob Schmid, Georg Röhm und Hauptlehrer Fischer. Die Wehr war inzwischen auf beeindruckende 118 Mitglieder angewachsen – ein deutliches Zeichen dafür, welchen Stellenwert die Feuerwehr innerhalb der Dorfgemeinschaft inzwischen besaß.
Trotz aller Begeisterung für die neue Wasserleitung vertraute man der modernen Technik noch nicht vollständig. Für den Fall eines Ausfalls wurde vorsorglich weiterhin eine besondere Wassermannschaft vorgehalten, die im Ernstfall wieder Wasser aus offenen Gewässern heranschaffen sollte. Diese Vorsichtsmaßnahme zeigt, wie verantwortungsvoll die damaligen Feuerwehrführer mit den neuen technischen Möglichkeiten umgingen.
Einheitliche Uniformen und strenge Disziplin
Mit der organisatorischen Weiterentwicklung veränderte sich auch das Erscheinungsbild der Feuerwehr.
Die Gemeinde beschloss, alle Feuerwehrmänner mit einheitlichen schwarzen Uniformröcken auszustatten. Nach sechs Jahren aktiven Dienstes durften die Angehörigen ihre Uniform in persönliches Eigentum übernehmen. Gleichzeitig galten strenge Regeln für den Übungsbetrieb.
Wöchentlich fanden Übungen statt. Wer ohne triftigen Grund fehlte, musste mit empfindlichen Konsequenzen rechnen. Im schlimmsten Fall drohte sogar der Ausschluss aus der Feuerwehr. Diese Disziplin entsprach dem Selbstverständnis der damaligen Feuerwehren, die vielfach nach militärischem Vorbild organisiert waren.
Zur Führung gehörten neben dem Kommandanten auch Hornisten und Tamboure. Letztere waren für die musikalische Ausbildung und die Spielmannszüge verantwortlich. Dies verdeutlicht, dass die Feuerwehr nicht ausschließlich als Einsatzorganisation verstanden wurde. Sie repräsentierte die Gemeinde auch bei Festzügen, Jubiläen und öffentlichen Veranstaltungen.
Feuerwehr und Musikverein – zwei eng verbundene Institutionen
Schon früh entwickelte sich zwischen Feuerwehr und Musikverein eine außergewöhnlich enge Verbindung, die das gesellschaftliche Leben Mittelstadts über viele Jahrzehnte prägen sollte.
Zahlreiche Feuerwehrmänner gehörten gleichzeitig dem Musikverein an. Bei Übungen marschierte die Feuerwehr oftmals unter musikalischer Begleitung zum Übungsplatz. Für die Abnutzung der Instrumente zahlte die Feuerwehr dem Musikverein sogar eine jährliche Entschädigung.
Anfangs verlief diese Zusammenarbeit allerdings nicht ohne Diskussionen. Als der Musikverein erstmals bei einer Feuerwehrveranstaltung aufspielte, war die Feuerwehr nicht bereit, das geforderte Honorar von zwanzig Mark zu bezahlen. Offenbar war man der Ansicht, bereits das Mitwirken bei einer Feuerwehrveranstaltung sei Auszeichnung genug. Erst zwei Jahre später einigten sich beide Seiten auf eine feste Vergütung.
Aus dieser engen Verbindung entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg eine gewachsene Partnerschaft. Sie fand ihren sichtbarsten Ausdruck im gemeinsamen Jubiläum des Jahres 1977, als die Freiwillige Feuerwehr ihr 100-jähriges Bestehen und der Musikverein gleichzeitig sein 65-jähriges Jubiläum feierten. Dieses Doppeljubiläum war Ausdruck einer Dorfgemeinschaft, in der die örtlichen Institutionen nicht nebeneinander, sondern miteinander wirkten.
Der Mühlenbrand von 1914
Schon wenige Jahre nach Einführung der Wasserleitung musste die Feuerwehr ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Am 14. Juni 1914 brach in der Mittelstädter Mühle ein Großbrand aus. Trotz der verbesserten Löschwasserversorgung konnte das Gebäude nicht mehr gerettet werden. Die Flammen vernichteten die Mühle vollständig und griffen auch auf angrenzende Wohnbereiche über.
Dennoch wertete die Feuerwehr ihren Einsatz als Erfolg. Es gelang ihr, das unmittelbar benachbarte Elektrizitätswerk vor den Flammen zu bewahren. Damit verhinderte sie einen weit größeren Schaden für die gesamte Gemeinde. Die Chroniken zeigen deutlich, welch hohe Bedeutung diesem Erfolg damals beigemessen wurde.
Nur wenige Wochen später veränderte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Leben in ganz Europa grundlegend. Auch die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt blieb davon nicht verschont. Zahlreiche aktive Feuerwehrmänner wurden zum Militär eingezogen. Die kommenden Jahre stellten die Wehr vor völlig neue Herausforderungen, die ihre Geschichte nachhaltig prägen sollten.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 veränderte sich auch für die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt der Alltag grundlegend. Zahlreiche aktive Feuerwehrmänner wurden zum Militärdienst eingezogen. Die Wehr verlor innerhalb kurzer Zeit einen erheblichen Teil ihrer erfahrenen Einsatzkräfte und musste ihre Aufgaben unter schwierigen Bedingungen weiter erfüllen. Dennoch blieb der Brandschutz gewährleistet – eine Selbstverständlichkeit war dies angesichts der personellen Verluste keineswegs.
Bereits wenige Wochen vor Kriegsbeginn hatte der verheerende Brand der Mittelstädter Mühle die Leistungsfähigkeit der jungen Freiwilligen Feuerwehr auf eine harte Probe gestellt. Zwar konnte das Gebäude nicht gerettet werden, doch gelang es den Einsatzkräften, das benachbarte Elektrizitätswerk vor den Flammen zu bewahren. Dieser Erfolg wurde von den Verantwortlichen ausdrücklich hervorgehoben und zeigte, wie sehr sich Ausbildung und Organisation der Wehr seit ihrer Gründung verbessert hatten.
Während des Krieges rückte die Feuerwehr immer häufiger mit einer personell stark verkleinerten Mannschaft aus. Viele Aufgaben mussten von älteren Feuerwehrangehörigen übernommen werden. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig eine gut funktionierende Organisation inzwischen geworden war. Der Brandschutz durfte auch in Zeiten größter gesellschaftlicher Belastung nicht zum Erliegen kommen.
Neuaufbau nach dem Ersten Weltkrieg
Als der Krieg 1918 endete, kehrten viele Feuerwehrmänner nicht mehr nach Mittelstadt zurück. Andere kamen verwundet oder gesundheitlich gezeichnet aus dem Krieg heim. Die Feuerwehr musste sich personell nahezu vollständig neu aufstellen.
Im Jahr 1919 wurde Gottlob Wurster zum neuen Kommandanten gewählt. Heinrich Müller übernahm das Amt des Stellvertreters. Unterstützt wurden sie von den Zugführern Fritz Wurster, Christian Nagel, Jakob Schmid und David Schneider. Die Wehr umfasste nun noch 75 aktive Mitglieder und war damit deutlich kleiner als vor Kriegsbeginn.
Bemerkenswert ist, dass der langjährige Spritzenmeister Gottlob Schairer weiterhin Verantwortung übernahm. Er gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der frühen Feuerwehrgeschichte und sorgte über viele Jahre hinweg für die Einsatzbereitschaft der Löschgeräte.
In den Jahren nach dem Krieg entwickelte sich das Vereinsleben allmählich wieder. Ab 1922 begleitete der Musikverein sämtliche Feuerwehrübungen. Mit klingendem Spiel marschierten die Feuerwehrmänner zu ihren Übungsplätzen – ein heute ungewöhnlich wirkendes Bild, das damals jedoch Ausdruck des engen Zusammenhalts zwischen beiden Institutionen war.
Im gleichen Jahr erhielt das Feuerwehrmagazin einen Schlüsselkasten. Damit konnte das Gerätehaus im Alarmfall bereits vor dem Eintreffen des Gerätewarts geöffnet werden. Diese scheinbar kleine Änderung verkürzte die Ausrückzeiten erheblich und verdeutlicht, dass auch organisatorische Verbesserungen einen wichtigen Beitrag zur Schlagkraft der Feuerwehr leisteten.
Brände in den zwanziger Jahren
Die 1920er Jahre waren von mehreren schweren Bränden geprägt, welche die Feuerwehr immer wieder vor große Herausforderungen stellten.
Besonders dramatisch war der Brand des Schulhauses im Lodenberg am 6. August 1925. Das Feuer brach in den späten Abendstunden aus und zerstörte weite Teile des Gebäudes. Später stellte sich heraus, dass Brandstiftung die Ursache gewesen war. Der vorhandene Wasserdruck reichte nicht aus, um das Gebäude zu retten. Die Feuerwehr konzentrierte sich deshalb auf den Schutz der benachbarten Häuser – eine Entscheidung, die vom zuständigen Bezirksfeuerlöschinspektor ausdrücklich gelobt wurde.
Nur wenige Monate später, am 26. Januar 1926, musste die Wehr erneut ausrücken. Diesmal brannte eine Feldscheuer. Die außergewöhnlich niedrigen Temperaturen erschwerten den Einsatz erheblich. Das Löschwasser gefror in den Schläuchen, sodass die Feuerwehr teilweise auf Feuerhaken zurückgreifen musste. Solche Einsätze verdeutlichen, unter welch schwierigen Bedingungen die Brandbekämpfung damals oft stattfand.
Das 50-jährige Jubiläum
Im Jahr 1927 konnte die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt auf ihr fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. Gleichzeitig fand der Kreisfeuerwehrtag in Mittelstadt statt – ein Ereignis von großer Bedeutung für die Gemeinde.
Rund sechzig Feuerwehren aus der Region folgten der Einladung. Der Festauftakt am Samstag wurde von anhaltendem Regen begleitet. Gemeinsam mit den örtlichen Vereinen marschierten die Feuerwehrangehörigen dennoch vom Rathaus zum Festzelt. Am Abend zog ein Fackelzug durch den Ort.
Der Sonntag zeigte sich dagegen von seiner schönsten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein fanden die Hauptübung und der große Festzug statt. Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Übergabe einer neuen Standarte durch die Gemeinde Mittelstadt. Diese Fahne begleitete die Feuerwehr in den folgenden Jahrzehnten bei Jubiläen, Festzügen und besonderen Anlässen und entwickelte sich zu einem wichtigen Symbol ihrer Tradition.
Die Feuerwehr unter nationalsozialistischer Herrschaft
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 änderten sich auch die Rahmenbedingungen für das Feuerwehrwesen.
Die bis dahin weitgehend selbstständigen Feuerwehren wurden zunehmend staatlich kontrolliert. Der Kreisfeuerwehrverband wurde aufgelöst und die Feuerwehren organisatorisch stärker in die staatlichen Strukturen eingebunden. Auch personelle Entscheidungen unterlagen nun zunehmend behördlichem Einfluss.
1932 hatte Hermann Knecht bereits die Nachfolge des gesundheitlich angeschlagenen Gottlob Wurster als Kommandant übernommen. Georg Röhm wurde sein Stellvertreter. Trotz der politischen Veränderungen blieb die eigentliche Aufgabe der Feuerwehr unverändert: Menschenleben retten und Brände bekämpfen.
Im Jahr 1933 beteiligte sich die Mittelstädter Feuerwehr mit rund achtzig Männern sowie Musik- und Spielmannszug am 75-jährigen Jubiläum der Feuerwehr Urach. Diese große Beteiligung unterstreicht eindrucksvoll die damalige Stärke der Wehr.
1937 feierte die Freiwillige Feuerwehr schließlich ihr sechzigjähriges Bestehen – zugleich das letzte große Jubiläum vor dem Zweiten Weltkrieg.
Der Zweite Weltkrieg
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verschlechterte sich die personelle Situation erneut erheblich. Wieder wurden zahlreiche Feuerwehrmänner zum Wehrdienst eingezogen. Ältere Kameraden mussten reaktiviert werden. Später wurden sogar Angehörige der Hitlerjugend zum Feuerwehrdienst verpflichtet.
Trotz der schwierigen Lage erhielt die Feuerwehr in dieser Zeit ihre erste motorisierte Tragkraftspritze – eine TS 8 mit einer Förderleistung von 800 Litern Wasser pro Minute. Gegenüber den bisherigen Handpumpen bedeutete dies einen enormen technischen Fortschritt und erhöhte die Einsatzmöglichkeiten erheblich.
Diese Motorspritze sollte schon bald ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Der Bombenangriff auf Reutlingen
Am 1. März 1945 wurde Reutlingen Ziel eines schweren Luftangriffs. Große Teile der Innenstadt standen in Flammen. Auch die Feuerwehr Mittelstadt erhielt Alarm.
Unter der Leitung des Hauptwachtmeisters Gottlob Röhm rückte die Mittelstädter Tragkraftspritze nach Reutlingen aus. Die Einsatzkräfte kämpften unter schwierigsten Bedingungen gegen zahlreiche Brände. Zu den Einsatzorten gehörten unter anderem die Bismarckstraße, die Kaiserstraße, die Tabakgroßhandlung Scholl, das Arbeitsamt, das Hoch- und Tiefbauamt, die katholische Kirche, das Pfarrhaus, die Ebenezerkapelle sowie die Firma Kohllöffel.
Die Chronik hebt ausdrücklich hervor, dass sich die Mittelstädter Motorspritze bei diesem Großeinsatz außerordentlich bewährte und überall erfolgreich eingesetzt werden konnte. Für eine vergleichsweise kleine Landgemeinde bedeutete dieser Einsatz einen wichtigen Beitrag zur Katastrophenhilfe in der schwer getroffenen Nachbarstadt.
Kampfhandlungen in Mittelstadt
Nur wenige Wochen später erreichte der Krieg auch Mittelstadt selbst.
Am 20. April 1945 beschossen französische Panzer mehrere Gebäude im Ort. Das Wohnhaus von Otto Röhm in der Hofstattstraße wurde in Brand gesetzt und brannte bis auf das Erdgeschoss nieder. Auch die Häuser von Karl Lutz in der Goethestraße sowie das Gebäude in der Bergsteigstraße wurden durch Brandgranaten zerstört.
Bereits am folgenden Tag kam es zu weiteren schweren Kampfhandlungen. Panzerbeschuss setzte die Scheuer und Stallungen der Familie Kiefner in Brand. Wenig später trafen Granaten die historische Zehntscheuer, die vollständig ausbrannte und bis auf ihre Grundmauern zerstört wurde.
Trotz der lebensgefährlichen Lage rückten die Feuerwehrmänner immer wieder aus, um Menschen zu retten und die Ausbreitung der Brände zu verhindern. Die Chronik würdigt ausdrücklich ihren mutigen Einsatz und betont, dass durch ihr Handeln zahlreiche weitere Gebäude gerettet werden konnten.
Mit dem Ende der Kampfhandlungen begann für die Feuerwehr – wie für den gesamten Ort – ein schwieriger Neuanfang. Material war knapp, viele Kameraden fehlten noch immer, und die französische Militärregierung griff zunächst tief in die Organisation der Feuerwehr ein. Dennoch gelang es innerhalb weniger Jahre, wieder eine leistungsfähige Wehr aufzubauen. Damit begann zugleich das nächste Kapitel ihrer Geschichte.
Als im Frühjahr 1945 die Kampfhandlungen endeten, stand auch die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt vor einem Neuanfang. Viele Feuerwehrmänner waren noch nicht aus dem Krieg zurückgekehrt, andere galten als vermisst oder waren gefallen. Hinzu kamen erhebliche materielle Schäden und die Unsicherheit der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dennoch durfte der Brandschutz nicht ruhen. Gerade in den ersten Monaten nach Kriegsende bestand aufgrund zerstörter Gebäude, provisorischer Heizungen und der schwierigen Versorgungslage eine erhöhte Brandgefahr.
Zunächst wollte sich kaum jemand freiwillig zum Feuerwehrdienst melden. Die Bevölkerung war kriegsmüde, viele Familien kämpften ums tägliche Überleben. Schließlich ordnete die französische Militärregierung an, dass sich alle männlichen Einwohner am Rathaus einzufinden hatten. Rund sechzig Männer wurden zunächst zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Wenig später reduzierte die Militärregierung die Stärke der Wehr überraschend auf lediglich 21 Angehörige. Aus welchem Grund diese Beschränkung erfolgte, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Zeitzeugen vermuteten später, die Besatzungsmacht habe größere uniformierte Männergruppen mit Misstrauen betrachtet.
Alle neu eingeteilten Feuerwehrmänner erhielten besondere Ausweise der Militärregierung. Zur Identifikation mussten in Anwesenheit französischer Offiziere von allen zehn Fingern Fingerabdrücke genommen werden – ein heute außergewöhnlich anmutendes Verfahren, das jedoch die besondere Situation unmittelbar nach Kriegsende widerspiegelt.
Zum neuen Kommandanten wurde Wilhelm Henzler gewählt. Ihm stand Otto Kuhn als Stellvertreter zur Seite. Schritt für Schritt gelang es, die Wehr personell wieder zu verstärken. Ob dies offiziell genehmigt oder von der Besatzungsmacht stillschweigend geduldet wurde, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass eine Feuerwehr mit nur 21 Angehörigen den Brandschutz einer wachsenden Gemeinde dauerhaft nicht hätte sicherstellen können.
Die Rückkehr zur Kameradschaft
Trotz aller Schwierigkeiten bemühte sich die Feuerwehr früh darum, auch das kameradschaftliche Leben wieder aufzubauen. Bereits am 28. November 1947 konnte in bescheidenem Rahmen das 70-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert werden. Luxus war in jener Zeit undenkbar. Das Mehl für die traditionellen Brezeln stellte dankenswerterweise die Firma Röhm zur Verfügung. Solche Gesten verdeutlichen den engen Zusammenhalt innerhalb der Dorfgemeinschaft während der entbehrungsreichen Nachkriegsjahre.
Auch die Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren wurde rasch wieder aufgenommen. Bei einer Hauptübung im Herbst 1948 beteiligten sich bereits Einsatzkräfte der Stützpunktfeuerwehr Reutlingen. Gleichzeitig begann die Feuerwehr Mittelstadt, sich regelmäßig an den neu eingeführten Leistungswettkämpfen zu beteiligen. Ausbildung und Übungsdienst erhielten damit erneut einen hohen Stellenwert.
Der Großbrand der Mühle 1950
Am frühen Morgen des 21. September 1950 wurde Mittelstadt erneut von einem Großbrand erschüttert. Um 5.30 Uhr heulte die Alarmsirene durch den Ort. Schon von weitem waren die meterhohen Flammen über der Mühle sichtbar.
Den Feuerwehrmännern war sofort bewusst, dass sie dieses Feuer nicht allein würden bekämpfen können. Deshalb wurden umgehend die Feuerwehren aus Metzingen, Reutlingen, Urach, Nürtingen, Pfullingen und Pliezhausen alarmiert.
Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich einer der größten Feuerwehreinsätze der damaligen Nachkriegszeit in der Region. Aus zehn B-Rohren und zwanzig C-Rohren wurde Wasser auf die brennenden Gebäude abgegeben. Über vier Stunden kämpften die Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Schließlich konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden. Die Mühle selbst war zwar bis auf die Grundmauern zerstört, doch gelang es, die angrenzenden Gebäude und insbesondere das Elektrizitätswerk zu retten. Die Chroniken schildern eindrucksvoll das Bild nach dem Einsatz: Überall lagen Schläuche verschiedenster Feuerwehren durcheinander, deren Zuordnung erst mühsam erfolgen musste. Die Uniformen der Feuerwehrmänner waren vollständig mit einer Mischung aus Wasser, Rauch und Mehlstaub bedeckt. Noch mehrere Tage blieb eine Brandwache erforderlich, da sich immer wieder einzelne Glutnester entzündeten.
Der Mühlenbrand markierte zugleich einen Wendepunkt. Er machte deutlich, dass die vorhandene Ausrüstung den Anforderungen moderner Brände nur noch eingeschränkt gerecht wurde.
Technischer Fortschritt in den fünfziger Jahren
In den folgenden Jahren rückte die Feuerwehr immer wieder zu größeren Bränden aus.
1953 konnte ein Dachstuhlbrand im Gasthaus „Lamm“ durch das entschlossene Eingreifen der Feuerwehr rasch eingedämmt werden. Nur wenige Monate später standen die Anwesen von Albert und Gottlob Knecht im Zehnthof in Flammen. Erneut zeigte sich die begrenzte Leistungsfähigkeit der damaligen Löschwasserversorgung. Das Ortsnetz lieferte nicht genügend Wasser, sodass die aus Metzingen angeforderte Stützpunktfeuerwehr ihr Löschwasser direkt aus dem Neckar fördern musste.
Auch kleinere Einsätze gehörten zum Alltag. Flächenbrände, Scheunenbrände oder brennende Wohnhäuser forderten die Feuerwehr regelmäßig. So konnte beispielsweise 1964 durch das schnelle Eingreifen der Einsatzkräfte verhindert werden, dass sich ein Dachstuhlbrand in der Gärtnerei Schnitzer ausbreitete. Ein Jahr später gelang es, den Brand einer Scheune in der damaligen Hindenburgstraße rasch unter Kontrolle zu bringen.
Das erste motorisierte Löschfahrzeug
Die stetig wachsende Gemeinde stellte die Feuerwehr vor immer größere Herausforderungen. Gleichzeitig machte sich das Alter der vorhandenen Tragkraftspritze immer deutlicher bemerkbar. In den Protokollen der Jahre 1958 wird das Gerät sogar mehrfach als „launisch“ und damit als unzuverlässig beschrieben.
Kommandant Wilhelm Henzler setzte sich deshalb mit großem Engagement für eine Neuanschaffung ein. Noch bevor diese schließlich verwirklicht werden konnte, übergab er die Verantwortung an seinen Nachfolger Jakob Haug.
Am 23. Dezember 1958 war es schließlich so weit: Gemeinsam mit Bürgermeister Steinmaier konnten Jakob Haug und mehrere Feuerwehrkameraden bei der Firma Ziegler ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug übernehmen. Mit Blaulicht und Martinshorn fuhr das rot lackierte Fahrzeug erstmals vor dem Rathaus vor. Am 10. Januar 1959 wurde es der angetretenen Mannschaft offiziell übergeben.
Für die Feuerwehr bedeutete diese Anschaffung einen Meilenstein. Erstmals verfügte sie über ein modernes motorisiertes Einsatzfahrzeug mit erheblich besserer Ausstattung und deutlich mehr Schlauchmaterial. Die Schlagkraft der Wehr nahm dadurch spürbar zu.
Jakob Haug – Eine prägende Persönlichkeit
Mit Jakob Haug begann zugleich eine der bedeutendsten Epochen der Mittelstädter Feuerwehrgeschichte.
Bereits 1931 war er in die Feuerwehr eingetreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er zunächst das Amt des stellvertretenden Kommandanten, ehe er 1957 zum Kommandanten gewählt wurde. Seine Amtszeit sollte die Entwicklung der Feuerwehr nachhaltig prägen.
Jakob Haug verstand es in außergewöhnlicher Weise, Menschen für den Feuerwehrdienst zu begeistern. Mit seiner offenen und herzlichen Art gewann er immer wieder junge Männer für das Ehrenamt. Gleichzeitig gelang es ihm, mehrere Generationen innerhalb einer Mannschaft zusammenzuführen. Viele spätere Feuerwehrangehörige erinnerten sich noch Jahrzehnte später an seinen Führungsstil. Wenn es notwendig war, traf er klare Entscheidungen. Gleichzeitig blieb er stets nahbar und kameradschaftlich.
Unter seiner Leitung wurden nicht nur Fahrzeuge beschafft. Auch Ausbildung, Kameradschaft und Nachwuchsarbeit erhielten neue Impulse. Sein Name wurde weit über Mittelstadt hinaus bekannt. Im gesamten Landkreis verband man die Feuerwehr Mittelstadt über Jahrzehnte unmittelbar mit Jakob Haug.
Ein tragischer Einsatz
Zu den schwersten Ereignissen der Nachkriegszeit gehörte der Einsatz am 14. Juli 1964.
Auf dem damaligen Sportplatz mussten drei junge Männer aus einem Wasserschacht geborgen werden. Sie waren dort tödlich verunglückt. Die Mittelstädter Feuerwehr verfügte zu diesem Zeitpunkt noch über keine Atemschutzgeräte. Deshalb mussten Atemschutztrupps der Feuerwehr Metzingen die eigentliche Rettung übernehmen.
Für die eingesetzten Feuerwehrmänner war dieser Einsatz außerordentlich belastend. Gerätewart Otto Knecht zog sich während der Rettungsarbeiten gesundheitliche Schäden zu, unter denen er nach späteren Berichten noch lange litt. Das tragische Unglück machte deutlich, wie sehr sich die Aufgaben einer Feuerwehr bereits verändert hatten. Neben der klassischen Brandbekämpfung gewannen technische Hilfeleistungen zunehmend an Bedeutung.
Neue Fahrzeuge für eine wachsende Gemeinde
Die sechziger Jahre standen ganz im Zeichen weiterer Modernisierung.
1967 erhielt die Feuerwehr ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 sowie eine zweite Tragkraftspritze. Das neue Fahrzeug war jedoch so groß, dass es im alten Feuerwehrmagazin im Erdgeschoss des Rathauses keinen Platz fand.
Unbürokratisch sprang der Mittelstädter Unternehmer Erich Knecht ein. Er stellte der Feuerwehr seine Garage unmittelbar neben dem Rathaus zur Verfügung, bis eine dauerhafte Lösung gefunden war. Diese Unterstützung verdeutlicht beispielhaft den Rückhalt, den die Feuerwehr innerhalb der Bevölkerung genoss.
Schon bald wurde deutlich, dass Mittelstadt ein modernes Feuerwehrhaus benötigte.
Das Feuerwehrhaus von 1970
Mit dem Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses erfüllte sich für die Feuerwehr ein lang gehegter Wunsch.
Im September 1970 konnte das neue Gebäude feierlich eingeweiht werden. Zahlreiche Gäste nahmen an der Eröffnung teil, darunter Landrat Dr. Müller, Kreisbrandmeister Neubrander, Vertreter der Nachbarwehren und viele Bürgerinnen und Bürger.
Für die Feuerwehr bedeutete das neue Gerätehaus weit mehr als zusätzliche Stellplätze. Erstmals standen ausreichend Raum für Fahrzeuge, Ausrüstung, Ausbildung und Kameradschaft zur Verfügung. Das Gebäude bildete die Grundlage für die weitere Entwicklung der Feuerwehr in den folgenden Jahrzehnten.
Den Abschluss des Einweihungstages bildete ein bunter Abend, den die Feuerwehr selbst gestaltete. Die dabei überreichten Geschenke schmückten noch viele Jahre den Unterrichtsraum des Gerätehauses und erinnerten an einen Meilenstein der Feuerwehrgeschichte.
Der Weg in die Feuerwehr Reutlingen
In den frühen siebziger Jahren zeichnete sich bereits eine weitere grundlegende Veränderung ab. Die baden-württembergische Gemeindereform führte auch für Mittelstadt zu weitreichenden Entscheidungen. Mit der Eingemeindung in die Stadt Reutlingen sollte sich nicht nur die kommunale Verwaltung verändern. Auch für die Freiwillige Feuerwehr begann damit ein neues Kapitel ihrer Geschichte.
Rückblickend betrachtete Jakob Haug diesen Schritt mit bemerkenswerter Gelassenheit. Bereits vor der offiziellen Eingemeindung bestanden enge kameradschaftliche Kontakte zur Feuerwehr Reutlingen. Stadtbrandmeister Walter Hermann hatte früh signalisiert, dass die Mittelstädter Feuerwehr ihre Identität bewahren und innerhalb der neuen Gesamtfeuerwehr weiterhin eigenständig arbeiten könne.
Diese Zusicherung sollte sich in den folgenden Jahren als richtungsweisend erweisen. Die Eingemeindung bedeutete keinen Verlust der Tradition, sondern eröffnete der Feuerwehr zugleich den Zugang zu moderner Technik, erweiterten Ausbildungsmöglichkeiten und einem leistungsfähigen Verbund innerhalb der Feuerwehr Reutlingen.
Mit der Eingemeindung Mittelstadts in die Stadt Reutlingen zum 1. Januar 1975 begann für die Freiwillige Feuerwehr ein neues Kapitel ihrer Geschichte. Für viele Feuerwehrangehörige war dieser Schritt zunächst mit Unsicherheit verbunden. Über nahezu ein Jahrhundert hinweg hatte die Wehr eigenständig gearbeitet und das Feuerwehrwesen im Ort geprägt. Nun sollte sie Teil einer deutlich größeren Organisation werden.
Diese Bedenken erwiesen sich jedoch schon bald als unbegründet. Ausschlaggebend war vor allem die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Stadtbrandmeister Walter Hermann, der frühzeitig den persönlichen Kontakt zur Mittelstädter Wehr suchte. Bei der offiziellen Übernahme der Feuerwehr in den Verband der Feuerwehr Reutlingen am 11. März 1975 betonte er ausdrücklich, dass die Eigenständigkeit der Abteilung weitgehend erhalten bleiben solle. Gleichzeitig sagte er zu, dass die Ausstattung der Mittelstädter Feuerwehr künftig nach denselben Maßstäben erfolgen werde wie bei allen anderen Abteilungen der Feuerwehr Reutlingen.
Für die Angehörigen der Wehr war dies ein wichtiges Signal. Die Eingemeindung bedeutete nicht das Ende einer langen Tradition, sondern eröffnete neue Möglichkeiten. Die Mittelstädter Feuerwehr blieb fest im örtlichen Leben verankert und wurde gleichzeitig Teil einer leistungsfähigen Gesamtorganisation, deren Stärke auf dem engen Zusammenwirken der Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Einsatzabteilungen beruhte.
Bereits kurze Zeit nach der Eingliederung zeigte sich, dass diesen Zusagen auch Taten folgten. Die Feuerwehr erhielt moderne Funktechnik, neue Uniformen sowie ein Motorboot für Einsätze auf dem Neckar. Damit begann eine Phase kontinuierlicher Modernisierung, die den Aufgabenbereich der Abteilung nachhaltig erweitern sollte.
Das 100-jährige Jubiläum – Ein Fest für das ganze Dorf
Nur zwei Jahre nach der Eingemeindung konnte die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt auf ihr hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Vom 12. bis 14. August 1977 feierte sie dieses Jubiläum gemeinsam mit dem Musikverein Mittelstadt, der gleichzeitig sein 65-jähriges Bestehen beging.
Dieses Doppeljubiläum war weit mehr als eine organisatorische Gemeinsamkeit. Es spiegelte die enge Verbundenheit beider Institutionen wider, die sich bereits seit den Anfängen der Feuerwehr entwickelt hatte. Über Jahrzehnte hinweg hatten zahlreiche Musiker gleichzeitig Feuerwehrdienst geleistet. Beide Vereine waren zu tragenden Säulen des gesellschaftlichen Lebens geworden.
Die Festtage entwickelten sich zu einem der größten Ereignisse in der jüngeren Ortsgeschichte. Bereits der Fassanstich am Freitagabend lockte zahlreiche Besucher auf das Festgelände. Am Samstag standen Leistungswettkämpfe der Feuerwehren im Mittelpunkt. Gleichzeitig wurde für die Kinder ein großer Spielenachmittag veranstaltet. Den Höhepunkt des Tages bildete ein Festabend, den die örtlichen Vereine gemeinsam gestalteten und der vielen Besucherinnen und Besuchern noch lange in Erinnerung blieb.
Der Sonntag begann mit einer eindrucksvollen Schauübung an der Mittelstädter Mühle. Gemeinsam mit der Feuerwehr Reutlingen-Stadtmitte und dem Arbeiter-Samariter-Bund demonstrierte die Feuerwehr den Leistungsstand moderner Brandbekämpfung und technischer Hilfeleistung. Anschließend zog ein großer Festumzug mit Feuerwehren, Musikvereinen, Spielmannszügen und den örtlichen Vereinen durch den festlich geschmückten Ort.
Die zahlreichen Grußworte in der Festschrift verdeutlichen den hohen Stellenwert der Feuerwehr innerhalb der Gemeinde. Oberbürgermeister Dr. Manfred Oechsle hob besonders das beispielhafte Zusammenwirken der örtlichen Vereine hervor. Bezirksbürgermeister Siegfried Drissner würdigte das kameradschaftliche Miteinander als prägendes Merkmal des Dorflebens. Beide verbanden ihre Glückwünsche mit der Hoffnung, dass die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement auch künftig erhalten bleiben möge.
Zum Jubiläum erhielten die Feuerwehrangehörigen neue Dienstanzüge. Gleichzeitig wurden sämtliche Fahrzeuge mit Funkgeräten ausgestattet – ein weiterer wichtiger Schritt zur Modernisierung der Einsatzorganisation.
Das Neckarhochwasser von 1978
Bereits ein Jahr später wurde die Feuerwehr vor eine außergewöhnliche Bewährungsprobe gestellt.
1978 erlebte Mittelstadt eines der schwersten Hochwasser seiner jüngeren Geschichte. Der Neckar trat weit über seine Ufer und überflutete große Teile des Mühlenbereichs sowie zahlreiche Gebäude entlang der Neckartenzlinger Straße. Auch das Sportheim stand unter Wasser.
Die Feuerwehr war über Stunden im Einsatz, sicherte Gebäude, unterstützte betroffene Bewohner und dokumentierte die Wasserstände. Nach den Aufzeichnungen der Chronik handelte es sich um den höchsten gemessenen Pegelstand seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen.
Das Hochwasser machte deutlich, dass sich das Einsatzspektrum der Feuerwehr längst nicht mehr auf Brände beschränkte. Naturereignisse und technische Hilfeleistungen gewannen zunehmend an Bedeutung.
Neue Fahrzeuge für neue Aufgaben
Die Eingliederung in die Feuerwehr Reutlingen eröffnete der Mittelstädter Abteilung neue technische Möglichkeiten.
1979 erhielt sie von der Abteilung Stadtmitte ein Tanklöschfahrzeug TLF 16/25. Erstmals stand damit ein wasserführendes Fahrzeug dauerhaft in Mittelstadt zur Verfügung. Gegenüber dem bisherigen Tragkraftspritzenfahrzeug bedeutete dies eine erhebliche Verbesserung der Einsatzmöglichkeiten. Gleichzeitig wurde das bisherige Ford-Transit-TSF außer Dienst gestellt.
Auch organisatorisch entwickelte sich die Feuerwehr weiter. Im Gerätehaus entstand eine eigene Funkzentrale, über die künftig der gesamte Funkverkehr abgewickelt werden konnte.
1981 übergab Egon Walker die Leitung der Abteilung an Jakob Weber. Im selben Jahr erhielt die Feuerwehr zusätzliche Verantwortung. Sie wurde für einen Abschnitt der Pipeline der Fernleitungs-Betriebsgesellschaft zuständig und übernahm damit erstmals Sonderaufgaben außerhalb der klassischen Brandbekämpfung. Zur Ausstattung gehörte nun auch ein Schlauchboot für Einsätze auf dem Neckar.
Diese Entwicklung war beispielhaft für den Wandel des Feuerwehrwesens in den achtziger Jahren. Immer häufiger verlangten technische Anlagen, Industrie und Verkehr nach spezialisierten Einsatzkräften.
Einsätze werden vielfältiger
Mit der technischen Entwicklung änderten sich auch die Einsatzlagen.
1982 rückte die Feuerwehr zu einem Großbrand bei der Firma Beck aus. Ein Feuer im Fotolabor und Farbenlager hatte sich rasch ausgebreitet. Gemeinsam mit der Feuerwehr Reutlingen gelang es, einen Totalverlust der Produktionsanlagen zu verhindern.
1987 wurde die Abteilung nach einem schweren Unwetter zur Unterstützung in die Reutlinger Innenstadt alarmiert. Solche Einsätze außerhalb des eigenen Stadtbezirks wurden inzwischen selbstverständlich. Die Feuerwehr Mittelstadt war vollständig in die Alarm- und Einsatzplanung der Gesamtfeuerwehr eingebunden.
Nachwuchs für die Zukunft
Ein entscheidender Schritt für die Zukunft gelang im Jahr 1990.
Die Feuerwehr Reutlingen gründete ihre Jugendfeuerwehr. Auch in Mittelstadt entstand eine eigene Jugendgruppe. Sechs Jugendliche gehörten den ersten Nachwuchsfeuerwehrleuten an.
Damit wurde der Grundstein für die langfristige Sicherung des Ehrenamts gelegt. Die Jugendfeuerwehr vermittelte nicht nur feuerwehrtechnisches Wissen, sondern förderte Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbereitschaft. Viele der damals aufgenommenen Jugendlichen sollten später selbst Verantwortung innerhalb der Einsatzabteilung übernehmen.
Parallel dazu verbesserte sich die persönliche Schutzausrüstung erheblich. Moderne Einsatzjacken und Schutzbekleidung ersetzten die bisher verwendeten Uniformen und erhöhten die Sicherheit der Feuerwehrangehörigen deutlich.
Die Ölwehr für ganz Reutlingen
Mit der Wahl von Gerhard Fauser zum Abteilungskommandanten im Jahr 1992 begann eine weitere Phase der Spezialisierung.
Die Feuerwehr Mittelstadt entwickelte sich nun zu einem wichtigen Standort der Ölwehr innerhalb der Feuerwehr Reutlingen. Hierzu erhielt die Abteilung einen Gerätewagen Transport, einen Gerätewagen Öl sowie umfangreiche Spezialausrüstung zur Bekämpfung von Ölunfällen.
Später kamen ein Wechselladerfahrzeug sowie spezielle Abrollbehälter für Ölunfälle an Land und auf Gewässern hinzu. Den Ausbau dieser Container übernahmen die Feuerwehrangehörigen in erheblichem Umfang selbst. Damit entstand in Mittelstadt ein Kompetenzzentrum, dessen Aufgaben weit über den eigenen Stadtbezirk hinausreichten.
Diese Entwicklung war keineswegs selbstverständlich. Wechselladerfahrzeuge und Spezialcontainer finden sich in der Regel nur bei deutlich größeren Feuerwehren. Dass Mittelstadt innerhalb der Feuerwehr Reutlingen diese besondere Verantwortung übernahm, unterstreicht die hohe fachliche Kompetenz der dortigen Einsatzkräfte.
Der Feuerwehrhausbrand 1995
Zu den einschneidendsten Ereignissen der jüngeren Feuerwehrgeschichte zählt der 4. Februar 1995.
Ausgerechnet das eigene Feuerwehrhaus wurde Opfer eines Brandes. Ein technischer Defekt im Gerätewagen Transport löste ein Feuer aus, das sich rasch auf die Fahrzeughalle und den Dachstuhl ausbreitete.
Die alarmierten Feuerwehrangehörigen standen plötzlich vor der außergewöhnlichen Situation, ihre eigene Wache löschen zu müssen. Unter großem Einsatz gelang es, das Tanklöschfahrzeug rechtzeitig aus der Halle zu fahren und unmittelbar zur Brandbekämpfung einzusetzen. Gemeinsam mit weiteren Abteilungen der Feuerwehr Reutlingen konnte verhindert werden, dass das Feuerwehrhaus vollständig zerstört wurde.
Die anschließende Sanierung stellte Mannschaft und Stadtverwaltung vor erhebliche Herausforderungen. Zahlreiche Arbeiten wurden von den Feuerwehrangehörigen in Eigenleistung durchgeführt. Dabei entstanden unter anderem ein neuer Unterrichtsraum, eine moderne Funkzentrale, zeitgemäße Umkleiden sowie ein neues Hallendach.
Trotz dieser Belastung übernahm die Feuerwehr Mittelstadt noch im selben Jahr die Ausrichtung des Kreisfeuerwehrwandertags – ein eindrucksvoller Beleg für ihren Zusammenhalt und ihre Einsatzbereitschaft.
Ein Jubiläum im Zeichen der Gemeinschaft
1997 konnte die Feuerwehr ihr 120-jähriges Bestehen feiern. Anders als zwanzig Jahre zuvor stand nun vor allem die Begegnung mit der Bevölkerung im Mittelpunkt.
Ein Jugendabend, ein Heimatabend mit den örtlichen Vereinen, Schauübungen sowie ein Tag der offenen Tür zeigten eindrucksvoll, wie eng Feuerwehr und Dorfgemeinschaft weiterhin miteinander verbunden waren.
Nur ein Jahr später beteiligte sich die Feuerwehr am historischen Glockenumzug anlässlich der Einweihung der neuen Kirchenglocken. Gemeinsam mit nahezu allen Vereinen des Ortes trug sie dazu bei, dass dieses Ereignis zu einem der größten Gemeinschaftsfeste der jüngeren Ortsgeschichte wurde.
125 Jahre Feuerwehr – Tradition und Zukunft
Im Jahr 2002 blickte die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt schließlich auf 125 Jahre Geschichte zurück.
Die zahlreichen Grußworte in der Jubiläumsschrift machen deutlich, welche Entwicklung die Abteilung in dieser Zeit genommen hatte. Aus einer kleinen Dorfwehr war eine moderne Einsatzabteilung innerhalb einer Großstadtfeuerwehr geworden.
Oberbürgermeister, Feuerwehrführung, Kreisfeuerwehrverband und Bezirksbürgermeisterin würdigten gleichermaßen die außergewöhnliche Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen. Besonders hervorgehoben wurde, dass sich die Aufgaben der Feuerwehr grundlegend verändert hatten. Während früher nahezu ausschließlich Brände bekämpft wurden, bestimmten nun technische Hilfeleistungen, Umweltschutz, Hochwassereinsätze, Verkehrsunfälle und Gefahrgutlagen den Alltag.
Geblieben war jedoch das Fundament, auf dem die Feuerwehr seit ihrer Gründung ruhte: Menschen, die bereit waren, Verantwortung für ihre Mitmenschen zu übernehmen.
Die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt heute – Moderne Hilfe auf dem Fundament einer langen Tradition
Wer heute die Feuerwehr Mittelstadt betrachtet, erkennt auf den ersten Blick eine moderne Einsatzabteilung mit zeitgemäßen Fahrzeugen, hochqualifizierten Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern sowie einem breiten Aufgabenspektrum. Hinter dieser modernen Organisation stehen jedoch nahezu drei Jahrhunderte gewachsener Geschichte. Aus der gemeinschaftlich genutzten Feuerspritze des Jahres 1728 entwickelte sich Schritt für Schritt eine Feuerwehr, deren Einsatzgebiet heute weit über die Grenzen des eigenen Stadtbezirks hinausreicht.
Als Abteilung der Feuerwehr Reutlingen ist die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt heute Bestandteil eines leistungsfähigen Gefahrenabwehrsystems, das aus der Berufsfeuerwehr sowie den freiwilligen Einsatzabteilungen der Stadt besteht. Dieses sogenannte Zwei-Säulen-Modell verbindet die ständige Einsatzbereitschaft der Berufsfeuerwehr mit der Ortskenntnis, Personalstärke und hohen Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Abteilungen. Gerade diese Verbindung gilt als wesentliche Stärke des Reutlinger Feuerwehrwesens.
Dabei hat sich die Rolle der Abteilung Mittelstadt im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erheblich verändert. Während früher nahezu ausschließlich Brände im eigenen Dorf bekämpft wurden, rücken die Einsatzkräfte heute regelmäßig auch in andere Stadtteile aus. Moderne Alarm- und Einsatzkonzepte sorgen dafür, dass stets diejenigen Fahrzeuge und Spezialkräfte alarmiert werden, die für die jeweilige Lage am besten geeignet sind. Damit ist die Feuerwehr Mittelstadt längst zu einem festen Bestandteil der gesamtstädtischen Gefahrenabwehr geworden.
Von der Brandbekämpfung zur technischen Hilfeleistung
Ebenso grundlegend wie die Organisation hat sich auch das Einsatzspektrum verändert.
Noch bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts bestand die Hauptaufgabe der Feuerwehr nahezu ausschließlich darin, Brände zu löschen. Wohnhäuser, Scheunen, landwirtschaftliche Gebäude und Betriebe prägten den Einsatzalltag. Die Chroniken berichten von Mühlenbränden, Scheunenfeuern und Dachstuhlbränden, die oftmals den vollständigen Verlust ganzer Gebäude bedeuteten.
Heute stellt die Brandbekämpfung zwar weiterhin einen wesentlichen Bestandteil der Feuerwehrarbeit dar, sie macht jedoch nur noch einen Teil der Einsätze aus.
Immer häufiger werden die Feuerwehrangehörigen zu Verkehrsunfällen, technischen Hilfeleistungen, Hochwasserlagen, Unwetterschäden oder Ölspuren alarmiert. Hinzu kommen Türöffnungen für den Rettungsdienst, Tierrettungen, die Unterstützung des Katastrophenschutzes sowie Einsätze im Bereich des Umweltschutzes.
Gerade diese Entwicklung zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich die Anforderungen an die Feuerwehr verändert haben. Moderne Feuerwehrarbeit verlangt heute umfassende Kenntnisse in Technik, Baukunde, Gefahrgutabwehr, Kommunikation und medizinischer Erstversorgung. Regelmäßige Aus- und Fortbildungen gehören deshalb selbstverständlich zum Dienstalltag.
Ein besonderer Standort innerhalb der Feuerwehr Reutlingen
Innerhalb der Feuerwehr Reutlingen nimmt die Abteilung Mittelstadt seit vielen Jahren eine besondere Stellung ein.
Mit dem Aufbau der Ölwehr wurden der Abteilung Aufgaben übertragen, die weit über den eigenen Einsatzbereich hinausreichen. Die Spezialausrüstung für Ölunfälle auf Straßen und Gewässern macht Mittelstadt zu einem wichtigen Baustein der Gefahrenabwehr im gesamten Stadtgebiet.
Auch die Stationierung eines Wechselladerfahrzeugs unterstreicht diese besondere Rolle. Solche Fahrzeuge kommen in der Regel nur bei größeren Feuerwehren zum Einsatz und ermöglichen den flexiblen Transport unterschiedlichster Spezialcontainer. Je nach Einsatzlage können Abrollbehälter für Ölunfälle, technische Hilfeleistungen oder andere Sonderaufgaben aufgenommen werden. Dadurch lässt sich die vorhandene Technik besonders wirtschaftlich und vielseitig einsetzen.
Diese Entwicklung zeigt zugleich das große Vertrauen, das die Feuerwehr Reutlingen in die Leistungsfähigkeit der Mittelstädter Einsatzabteilung setzt.
Ehrenamt – Das eigentliche Fundament der Feuerwehr
So beeindruckend Fahrzeuge, Technik und Ausrüstung auch sein mögen – sie allein löschen keine Brände und retten keine Menschen.
Das eigentliche Fundament der Feuerwehr bilden seit jeher die Frauen und Männer, die ihren Dienst ehrenamtlich leisten. Sie verlassen ihre Arbeitsplätze, unterbrechen Familienfeiern, stehen nachts auf oder rücken an Sonn- und Feiertagen aus, wenn der Alarm sie erreicht.
Dabei bleibt der tatsächliche Umfang ihres Engagements der Öffentlichkeit häufig verborgen.
Jeder Einsatz setzt eine umfangreiche Ausbildung voraus. Hinzu kommen regelmäßige Übungsabende, Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene, Atemschutzfortbildungen, Fahrzeug- und Gerätepflege, Sicherheitsunterweisungen, Funkübungen sowie zahlreiche organisatorische Aufgaben. Jahr für Jahr investieren die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr unzählige Stunden ihrer Freizeit, damit sie im Ernstfall innerhalb weniger Minuten professionelle Hilfe leisten können.
Dieses Engagement erfolgt freiwillig und ohne finanzielle Gegenleistung. Es ist Ausdruck eines Verantwortungsbewusstseins, das seit der Gründung der Feuerwehr unverändert geblieben ist.
Die Jugendfeuerwehr – Investition in die Zukunft
Eine besondere Bedeutung kommt heute der Jugendfeuerwehr zu.
Sie vermittelt jungen Menschen frühzeitig Verantwortungsgefühl, Teamgeist und Hilfsbereitschaft. Gleichzeitig lernen die Jugendlichen den sicheren Umgang mit feuerwehrtechnischen Geräten und sammeln erste Erfahrungen im Einsatzdienst.
Die Jugendfeuerwehr ist damit weit mehr als eine Nachwuchsorganisation. Sie ist zugleich eine wichtige Schule des Ehrenamts.
Viele aktive Feuerwehrangehörige haben ihre ersten Erfahrungen bereits als Jugendliche gesammelt. Dadurch entsteht eine enge Bindung an die Feuerwehr, die häufig über Jahrzehnte bestehen bleibt.
Gerade angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und eines zunehmend anspruchsvollen Arbeitsalltags gewinnt diese Nachwuchsarbeit immer mehr an Bedeutung. Sie sichert langfristig die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr und trägt dazu bei, dass das ehrenamtliche Engagement auch kommenden Generationen erhalten bleibt.
Die Feuerwehr als Teil der Dorfgemeinschaft
Seit ihrer Gründung war die Feuerwehr niemals ausschließlich eine Einsatzorganisation.
Sie gehört bis heute zu den prägenden Institutionen des gesellschaftlichen Lebens in Mittelstadt. Feuerwehrangehörige wirken bei Jubiläen, Festen, Gedenkveranstaltungen und vielen weiteren Veranstaltungen mit. Über Generationen hinweg entstanden enge Verbindungen zu den übrigen Vereinen des Ortes.
Besonders deutlich wird dies in der langjährigen Partnerschaft mit dem Musikverein. Bereits in den ersten Jahrzehnten gehörten zahlreiche Musiker gleichzeitig der Feuerwehr an. Gemeinsame Übungen, Festzüge und Jubiläen prägten über viele Jahrzehnte das Ortsleben. Das gemeinsame Doppeljubiläum von Feuerwehr und Musikverein im Jahr 1977 war deshalb keine zufällige organisatorische Entscheidung, sondern Ausdruck einer über Jahrzehnte gewachsenen Verbundenheit.
Ebenso bemerkenswert ist die Kontinuität innerhalb vieler Familien. Häufig engagieren sich mehrere Generationen einer Familie nacheinander oder sogar gleichzeitig in der Feuerwehr. Dieses generationenübergreifende Ehrenamt schafft eine enge Bindung an den Ort und trägt wesentlich zur Identität der Feuerwehr bei.
Ein Spiegel der Ortsgeschichte
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Mittelstadt ist zugleich ein Spiegel der Geschichte des Dorfes selbst.
Sie erzählt von den Gefahren vergangener Jahrhunderte ebenso wie von technischem Fortschritt, gesellschaftlichem Wandel und dem stetigen Wachstum der Gemeinde. Die Entwicklung von den ledernen Löscheimern über handbetriebene Feuerspritzen bis hin zu modernen Löschfahrzeugen mit Spezialtechnik spiegelt den technischen Fortschritt eindrucksvoll wider.
Gleichzeitig zeigt die Chronik, dass jede Generation ihre eigenen Herausforderungen zu bewältigen hatte. Große Dorfbrände, die beiden Weltkriege, Hochwasser, Industriebrände, technische Hilfeleistungen und Umweltgefahren verlangten den Feuerwehrangehörigen immer neue Fähigkeiten ab. Die Feuerwehr hat sich diesen Veränderungen stets angepasst, ohne ihre eigentliche Aufgabe aus den Augen zu verlieren: Menschen in Not zu helfen.
